Abendbrot


Hallo liebe Gastelternschaft,

heute möchte ich nochmals darauf eingehen wie wichtig warmes Essen für unsere AuPairs aus Asien und Afrika ist.

Niemand außerhalb Europas, der USA und Australien (nageln Sie mich bitte nicht auf diese vereinfachte Aufzählung fest) empfindet ein Abendessen bestehende aus kalten Brötchen mit Kühlschrank-Käse oder -Wurst nur annähernd als eine ernstzunehmende Abendmahlzeit.

Das Prinzip „Abendbrot“ ist für den Rest der Welt nur schwer nachzuvollziehen und  wird als nicht befriedigende Nahrungsaufnahme wahrgenommen.

Im Klartext bedeutet das für Sie als Gastfamilie: Ein AuPair aus Asien (Vietnam, Indonesien, Nepal, Mongolei,…) wird über kurz oder lang - eher kurz - wirklich an Hunger leiden, wenn sie abends keine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann. Die Aupairs klagen sogar über Kopfschmerzen, die vom Hunger verursacht werden.

Gefährlich ist dabei, dass sie es der Gastfamilie nicht sofort sagen. Es wäre in ihren Augen ausgesprochen unverschämt die Gastfamilie darauf hinzuweisen, dass die Gastfamilie zu wenig (O-Ton AuPairs: „Nichts“) zum Essen offeriert.

Manche der AuPairs fassen sich ein Herz und teilen wenigsten uns (Agentur) mit, dass sie „nichts“ zu essen bekommen, doch die meisten wechseln entweder unter Angabe anderer Gründe die Gastfamilie oder leiden still vor sich hin. Die, die sich für das Leiden entschieden haben, werden von Woche zu Woche ruhiger, zurückgezogener und blasser.

Ein Brötchen oder ein Brot läuft in den Heimatländern der meisten unserer AuPairs unter „Snack“! Ein Snack, den man durchaus mal mittags oder nachmittags zu sich nimmt. Aber es wird nicht als vollwertiges „Essen“ angesehen. Daher sind die AuPairs der Meinung, dass sie „nichts“ zu essen bekommen.

Ein warmes Mittagessen, welches es bei manchen Familien gibt und ein daraufhin kaltes Abendbrot, werden ebenfalls als „nichts zu Essen“ wahrgenommen. Denn „wirkliches“ Essen gibt es in den meisten asiatischen und vielen afrikanischen Kulturen nur abends, gemeinsam mit allen Familienmitgliedern am Tisch.

Familien, die nie gemeinsam abends am Tisch essen (natürlich um eine warme Mahlzeit versammelt), werden von AuPairs als recht suspekt wahrgenommen, als womöglich verstritten und sich nicht gegenseitig liebend.

Ich will Ihnen niemals vorschreiben, wie Sie als Familie leben sollen! Ich will Ihnen nur erklären, wie Ihr AuPair die Lage sehen könnte. Was Sie daraus machen, obliegt ganz allein Ihnen.

Nehmen wir also mal an, Sie möchte definitiv an der guten alten deutschen Tradition festhalten und ein Abendbrot anbieten, auch wenn sie sich ein asiatisches AuPair eingeladen haben. Wie können Sie es dennoch schaffen, dass das AuPair nicht subjektiv Hunger leidet oder Sie womöglich verlässt?

Ganz einfach:
1.      Schritt: Kaufen Sie sich einen Reiskocher (es gibt tolle Modelle schon ab 30 Euro. Unser letzter Reiskocher hat 35 Euro gekostet und begleitete uns durch 8 Jahre. Jetzt haben wir ein schickes neues Modell, aber der macht auch nur das, was der andere getan tat - perfekt und schnell Reis kochen und ihn warmhalten.)

2.      Schritt: Gehen Sie mit Ihrem Aupair zum nächsten Asia-Shop und kaufen Sie einen Sack Reis. Den gibt es immer in ca. 5-10 kg Säcken - so groß wir Hundefuttersäcke. Einen ganzen Sack wirklich guten Reis aus Thailand oder China gibt es schon für 9,90 Euro. Damit kommt ihr AuPair durch ein paar Wochen sättigender Abendmahlzeiten.

3.      Schritt: Kaufen sie einen Koffer voll Asia-Suppen und Ramen-Noodles. Die kosten meist zwischen 1-2 Euro und schaffen bei Ihrem Aupair ein wohliges bekanntes Bauchgefühl für zwischendurch. Ja, ich weiß, ist Glutamat drin. Ja, ich bin auch ein Glutamat-Gegner. Aber Ihr AuPair ist es nicht! Sie ist mit Glutamat aufgewachsen, sie will Glutamat und ihre Mutter findet das gut so. Es ist nicht an uns, das AuPair in Ernährungsdingen zu belehren. Hauptsache das AuPair ist glücklich.

4.      Schritt: Geben Sie Ihrem AuPair die Möglichkeit sich den Reis jederzeit selbständig zubereiten zu können und sich die Tütensuppen morgens, mittags, abends reinzuziehen.

Diese Tipps orientieren sich vor allem an AuPairs aus Asien. Unsere afrikanischen Damen sind mit jeder Art Kartoffeln, Reis oder Nudeln glücklich. Und sehr gern Fleisch.
Auf Fleisch kann man bei den Asiaten (Buddhisten, Moslems aus Indonesien) eigentlich verzichten, vor allem bei den Nepalesen (Hindus), aber ja nicht bei den MONGOLEN! Wenn die Mongolen kein Fleisch bekommen, dann welken sie vor sich hin.
(Bitte auch das ist eine sehr vereinfachte Darstellung, damit wir hier den inhaltlichen Rahmen nicht sprengen.)

Das war’s. Das ist der ganze Zauber. Ist doch gar nicht so schwer gewesen, oder?
Guten Appetit!


By Lene Borgers
Kulturübersetzer, AuPair-Agent, Vermittler
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